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Dank an Christian Wulf

Dank an Christian Wulff

Seit Freitag, 17. Februar 2012, ist Christian Wulff nicht mehr Bundespräsident. Er hat sich lange gewehrt gegen eine Kampagne, die nach allen Regeln der Kunst gegen ihn geführt wurde und nur eines zum Ziel hatte – ihn zum Rücktritt zu zwingen. Teilweise haarsträubende Vorwürfe wurden dem ehemaligen Staatsoberhaupt gemacht: Ein Privatkredit zu angeblich nicht marktgerechten Konditionen, die Ablösung des Kredits durch die baden-württembergische Landesbank – auch hier hat man die Bedingungen des Darlehens als unangemessen günstig bezeichnet. Dass die Staatsanwaltschaft nach kurzer Prüfung keinerlei abstößige Umstände gefunden hat, hat nicht interessiert. Urlaub bei Freunden, ein wütender Anruf bei einem Chefredakteur, und, und und…Gegen den Bundespräsidenten lief ein Kesseltreiben, das seinesgleichen suchte. Nun wird wegen Bestechungsdelikten gegen ihn ermittelt. Der Umstand, dass die Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht bejaht und ein Ermittlungsverfahren eröffnet hat, hat Wulff letztlich zum Rücktritt bewogen. Das allein? Mein Kollege Linus Förster hat mir am Freitag verraten, dass im Internet schon weitere Gerüchte kursierten. Angeblich soll die Presse als nächsten Schritt geplant haben, die Vergangenheit von Frau Wulff zu beleuchten. Sie soll dem Vernehmen nach als Hostess für ein Unternehmen gearbeitet haben, das auch moralisch anrüchige Dienstleistungen angeboten hat. Mir fehlen die Worte! Das ist unappetitlich, das ist widerlich. Ich frage mich, wem das nutzen soll.

Ich habe eine hohe Achtung vor der Pressefreiheit und auch ganz persönlich immer eine Affinität zum Journalismus gehabt. Mit 16 habe ich eine Klassenzeitung ins Leben gerufen, habe mich um die Abiturzeitung gekümmert, die damals so viel Kritik hervorgerufen hat, dass damals fast alle Lehrer dem Abiturball ferngeblieben sind. Ich habe viele Jahre im Radio Sportübertragungen gemacht und auch einige Jahre für die Eishockey News geschrieben. Auch ich habe damals Fehler gemacht und Grenzen überschritten. Auch ich habe den Reiz gespürt, wenn Menschen zuhören, wenn Menschen nach Sensationen dürsten, wenn man Meinungen beeinflussen kann. Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass Sympathien keine Rolle gespielt haben, dass ich auch dem einen oder anderen Unrecht getan habe.

Aber so etwas? Hier werden Menschenleben zerstört! Ist das wirklich die Schlagzeile wert? Ist das investigativer Journalismus oder berauschen sich hier Menschen an der Macht, anderen zu schaden, Menschen zu zerstören?

Egal, wie man zu den behaupteten Verfehlungen steht: Ich erwarte von jedem Menschen, dass er kurz innehält uns sich Gedanken darüber macht, was in dem Menschen Christian Wulff, was in dem Menschen Bettina Wulff vorgehen mag. Ich habe es daher als besondere Größe empfunden, wie er zum Abschied, mit seinen letzten Worten, sagte, er wünsche den Menschen in Deutschland alles Gute, und dabei schließe er alle in diese Wünsche ein.

Was bleibt von der kürzesten Präsidentschaft der Geschichte der Bundesrepublik? Ein umstrittener Satz, auch der Islam gehöre zu Deutschland, eine Warnung vor ausufernden und unkontrollierbaren Rettungsschirmen, und, was für mich besonders wichtig ist, der ganz klare Blick, die ganz klare Vision auf ein „Deutschland des Miteinanders“.  Er hat erkannt, dass sich Deutschland in den nächsten Jahrzehnten, nein, in den nächsten Jahren deutlich verändern muss:  Deutschland  muss ja sagen zu Menschen aus fremden Ländern und Kulturen, die nach Deutschland kommen wollen, um dieses Land zu bereichern. Menschen, die Teil unserer Gesellschaft werden wollen und denen wir hierzu die Gelegenheit geben müssen. Nicht nur der demographische Wandel, auch eine Welt, ein Europa, in dem nationale Grenzen immer mehr an Bedeutung verlieren, zwingen uns geradezu zu diesem Schritt. Eine Entwicklung, die CDU/CSU in der Vergangenheit regelrecht verschlafen, teilweise auch bekämpft haben.

Aber auch Rot-Grün hat zu dieser Frage keine wirklichen Lösungen beigetragen. Insbesondere die Grünen mit ihrer verfehlten „Multikulti-Ideologie“ haben der Integration mehr geschadet als genutzt. Ihr Ziel war es, durch Menschen aus anderen Kulturen unsere christliche-abendländische Werteordnung aus den Angeln zu heben.

Integration bedeutet aber, auf der Grundlage unserer Grundrechte eine Gesellschaft weiterzuentwickeln und vielfältiger zu machen, ohne dass sie ihren eigentlichen Charakter verliert, aufgeben muss.

Gestattet mir zum Abschluss ein Bild, das ich hier vor Augen habe. Es mag naiv sein und heftige Kritik von traditionellen Katholiken hervorrufen, aber ich sehe es nun einmal so. Man stelle sich vor, eine traditionelle Fronleichnamsprozession findet statt, begleitet von Katholiken und Evangelischen – das gibt es heute schon. Aber es laufen in der Prozession auch Moslem, Hindus und Buddhisten mit und beten zu ihrem Gott. Menschen zeigen in einer typisch katholisch-bayerischen Tradition öffentlich das Bekenntnis zu ihrem Glauben. Gemeinsam! Auch wenn es zwischen den einzelnen Glaubensrichtungen Unterschiede gibt. Das hätte ich Christian Wulff als Bundespräsident zugetraut. Schade drum!